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Das gelbe Band

Ein Verbund der Grubenranddörfer im rheinischen Braunkohlerevier

 
 

Weitere Belastungen Donnerstag, der 30. März 2017

 

Quecksilber

 

Quecksilber ein ein sehr gefährliches Nervengift. Der Hauptanteil des in Deutschland freigesetzten Quecksilbers ensteht durch die Kohleverstromung. Rund 70 Prozent der Emissionen stammten zuletzt aus dem Energiesektor, vor allem von den mit Braun- oder Steinkohle befeuerten Kraftwerken.

Die in Deutschland geltenden Grenzwerte von 30 Mikrogramm pro Kubikmeter Abgas sind im internationalen Vergleich recht hoch. In den USA liegt der Grenzwert für Braunkohle bei 4,1 Mikrogramm pro Kubikmeter Abgas.

In NRW gibt es aktuell mehr als 2.000 Kilogramm Quecksilberemissionen pro Jahr. Davon sind mehr als 1.500kg aus den Braunkohlekraftwerken. Diese Zahlen könnten um etwa 40% reduziert werden, wenn es Grenzwerte wie in den USA gäbe.

Obwohl Deutschland das Minamata Abkommen unterzeichnet hat und somit verpflichtet ist die Quecksilber Imissionen zu minimieren, scheint die Politik dies zu ignorieren. Das Abkommen ist nach der Minamata-Kranheit benannt, die durch Quecksilber verursacht wird und häufig tödlich endet.

Bericht im Deutschlandfunk

Frankfurter Rundschau - Nervengift aus dem Schornstein

 

Soziale, wirtschaftliche und psychologische Beeinträchtigungen

 

Die Negativauswirkungen der Tagebaue schädigen und beeinträchtigen das Wohlergehen und die Gesundheit der betroffenen Menschen und Tiere. Aber auch große finanzielle Einbußen sind von den Bewohnern der betroffenen Dörfer hinzunehmen. Familien haben in den zurückliegenden Jahren zehn- oder sogar hunderttausende Euro in die Erhaltung und Modernisierung ihrer Häuser und Anwesen investiert. Viele Grundstücke haben und werden durch den Tagebau faktisch einen großen Wertverlust erleiden. Viele Investitionen werden zunichte gemacht. Dieser immense Werteverfall des Grund- und Immobilienbesitzes bedeutet eine nachhaltige Schädigung und Zerstörung von Vermögenswerten und den Verlust von Altersvorsorge. Gravierende finanzielle Negativfolgen, soziale Notlagen, oder sogar ein sozialer "Abstieg" sind vorprogrammiert.

Der Verkauf einer Immobilie in Grubenrandlage, wenn sich auf Grund der Umgebung überhaubt noch ein Käufer finden lässt, ist ohne erhebliche Verluste kaum zu realisieren. Somit ist z.B. ein Wechsel des beruflichen und des wohnlichen Umfeldes, aus welchen Gründen auch immer, praktisch fast nicht möglich. Auch die Finanzierung der Altersversorgung durch das Eigenheim,  wenn z.B. durch den Verkauf die Heimunterbringungskosten bestritten werden müssen, ist durch die Wertminderung eine schallende Ohrfeige für viele Menschen, die über viele Jahre ihr Eigentum gehegt und gepflegt haben.

Es sind aber nicht nur Privatleute von diesen "kalten Enteignungen" betroffen, sondern auch jeder, der einen Gewerbebetrieb, sei es Landwirtschaft, Autowerkstatt, Blumenladen, Gastronomie, etc.  - die Liste ließe sich beliebig erweitern-, besitzt. Für den Landwirt und den Gartenbaubetrieb sind Ländereien in nächster Nähe des Betriebes überlebenswichtig, aber diese werden ja, ohne dass den Betreibern der zukünftige Nutzungsausfall ersetzt wird, einfach  weggebaggert. Betreibern von kundenabhängigem Gewerbe werden durch die Auflösung, Zerstörung und Umsiedlung der Nachbarorte in weit entfernte Gebiete, langjährige Stammkunden einfach weggenommen. Massive finanzielle Einbußen sind die Folge und es ist fraglich ob die Betriebe dies überleben.

Diese Problematik verschärft sich auch noch dadurch, dass das Dorf durch die massiven Tagebauauswirkungen zum Aussterben verdammt wird. Heranwachsende und junge Erwachsene, die unter normalen Bedingungen sicher ihrer Heimat treu geblieben wären, wandern in lebenswertere Regionen ab und Neuzuwanderungen wird es auf Grund der schlechten Lebensbedingungen keine geben. Fazit ist: Das Dorf wird veralten und hat somit keine Zukunft.

RWE muss für diese Einbußen in den Grubenranddörfern in keiner Form Kompensation leisten. Es müssen weder Wertverluste ausgeglichen noch muss dafür gesorgt werden dass die soziale Infrastruktur der Dörfer erhalten bleibt. So etwas wie einen Dorfentwicklungsplan gibt es nicht.

Neben den finanziellen Aspekten der wegfallenden Infrastruktur spielt hier natürlich auch die soziale und emotionale Seite eine große Rolle. Über Jahrzehnte gelebte und geliebte Nachbarschaft existiert nicht mehr, sei es das gemeinsam gefeierte Schützenfest, Sportvereine die gemeinsam eine Mannschaft bildeten, der Gesangverein, Kinder, die beste Freunde im Nachbarort hatten, das ortsübergreifende Kaffeekränzchen etc.; und nicht zu vergessen die nahe Natur, liebgewonnene Spazierwege, altvertraute Blicke auf jahrhunderte alte, gewachsene Landschaften und Gebäude....... alles weg, niemals wiederzubringen, für immer verloren.

Schleichender, über Jahrzehnte andauernder Psychoterror.
 

Weitere Infomartionen gibt es hier:

Kurzfassung Gutachten zur Evaluierung von Umsiedlungen im Rheinischen Braunkohlenrevier im Hinblick auf ihre Sozialverträglichkeit
im Auftrag des Ministeriums für Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft Nordrhein-Westfalen

 

Heimatverlust

 

Wir haben unsere Heimat verloren,
dieses enge, schöne, alte manchmal graue sehr vertraute Dorf.
Hier sind wir aufgewachsen, der Kindergarten, das Baumhaus in der alten Buche, die Vorfahren auf dem Friedhof,
vertraute Wege,  die Spielkameraden, erste Liebe und das schützende Elternhaus.
Es wird uns unter den Füßen weggebaggert. Unsere Hoffnung ist erloschen, unsere Träume sind gestorben.
Das Dorf, es wird nie wieder sein, unwiederbringbar zerstört.

Es wurden bis heute mehr als 50 Dörfer mit ihrer zum Teil 1000,- jährigen Geschichte durch den Braunkohletagebau von der Erdoberfläche wegradiert. Mehr als 30 000 Menschen wurden in seelenlose Siedlungen ohne Profil und Vergangenheit "umgesiedelt".

Umsiedlung, ein harmloses Wort, dass der Vertreibung und Enteignung aus der Heimat zuvorkommt.

Ein über Jahrzehnte dauerndes Sonderopfer, das den Menschen abverlangt wird. Viele Jahre vor dem Abbau wird durch Diskussionen um den drohenden Tagebau das Leben der Menschen vergiftet. Der gesetzlich garantierte Mindestpreis für die generationenalten Häuser reicht oft nicht für den Bau eines neuen Heimes. Dorfgemeinschaften und Nachbarschaften werden aufs höchste belastet. Der Umzug in das neue Wohngebiet löst viele altvertraute Bande, es verändern sich soviele Gegebenheiten und viele traditionelle Werte werden ungültig gemacht. Es schmerzt viele Menschen bis ins unerträgliche, es hinterläßt Narben und bei manchem auch unheilbare Wunden. Manch einer hat sich in den Selbstmord gestürzt, weil er den Heimatverlust nicht ertragen hat, andere sterben und starben an "gebrochenem Herzen".

Die nachfolgende Links sprechen für sich:

Ingrid Bachér - Die Grube

Liste der abgebaggerten Ortschaften

44000 Menschen, die ihre Heimat verlieren

 

YouTube:

 

Kuckum, unsere Heimat

die letzte Dorfkneipe in Pier

Quarks & Co.: Braunkohle (Teil 1)   (Teil2)

 

Zerstörung von Kulturdenkmälern und erhaltenswerten Baubeständen

 

Mit der systematischen Zerstörung der Orte in den einzelnen Tagebauen, geht auch eine unersetzbare Kulturlandschaft unter.

Es ist sicherlich nur ein Randthema angesichts der Vernichtung eines ganzen Lebensraumes, aber dennoch werden dabei bedeutende, wertvolle, typische oder einfach nur besonders schöne und erhaltenswürdige Baudenkmäler zerstört. Wie zum Beispiel auch  Haus Paland in Borschemich oder das Rittergut Pesch. (Siehe auch Haus Paland und Rittergut Leuffen)

Wie paradox das Ganze ist wird deutlich, wenn man sich vorstellt, dass der Denkmalschutz unter anderem die Nutzung von Solarenergie auf den Dächern denkmalgeschützter Häuser zu verhindern sucht. Oder versuchen Sie doch einmal eine Bauänderung an einem denkmalgeschützten Haus vorzunehmen. Jeder Bauherr der diesbezügliche Erfahrungen sammeln durfte weiß, dass solche "Eingriffe" so gut wie unmöglich zu realisieren, zumindest aber mit hohen Auflagen verbunden sind. Genau dieser Denkmalschutz wird aber für den Braunkohletagebau einfach, wie so vieles andere auch, außer Kraft gesetzt. Denkmalgeschützte Gebäude, egal ob ehrwürdige Kirche, oder jahrhundertealtes Rittergut, alles wird zerstört und dem Erdboden gleich gemacht.

Der Kohleabbau ist mit einem rasanten Geländeverlust von ca. 360 ha pro Jahr verbunden. Durch die außergewöhnliche Fruchtbarkeit des Lößbodens der niederrheinischen Bucht wurde diese schon seit tausenden von Jahren als Ackerland genutzt. Hierdurch bedingt kommen natürlich auch archäologisch wertvolle Funde mit einer sehr hohe Dichte an Fundstellen zu Tage. Trotz ganzjähriger Grabungen können nur 5% der Verlustfläche archäologisch untersucht werden. Die amtliche Bodendenkmalpflege stößt mit ihren sogenannten Notgrabungen an ihre Grenzen. Normalerweise werden Bauprojekte bei archäologischen Funden auf Kosten des Bauherrn so lange gestoppt, bis eine entsprechende Aufarbeitung der Fundstelle abgeschlossen ist. Im Tagebau werden auch solche Verfahren schlicht außer Kraft gesetzt und die Landesämter müssen auf eigene Kosten und unter Zeitdruck dem Tagebau vorauseilen.

 

Irreversible Schädigung des Grundwassers und des Bodens

 

Die Auswirkungen durch die Grundwasserabsenkungen der einzelnen Tagebaue gehen weit über deren Grenzen hinaus. Sie reichen in Richtung Norden weit über die Grenzen von Mönchengladbach hinaus und im Westen bis hinter die niederländische Grenze hinüber. Noch in Tiefen von über 1000m sind Beeinflussungen mit weitreichenden, nicht absehbaren Folgen nachweisbar. Die Feuchtgebiete des internationalen Naturparks Maas-Schwalm-Nette sind in allerhöchster Gefahr. RWE versucht zwar, durch strikte Auflagen der Regierung gezwungen, dem Trockenfall der Feuchtgebiete entgegenzuwirken, doch nichts desto trotz ist das Ganze ein gigantischer Großversuch mit ungewissem Ausgang. Die Schädigungen werden noch in Hunderten von Jahren zu spüren sein.

Die wertvollen Trinkwasserreserven der Niederrheinischen Bucht werden durch die Sümpfungsmaßnahmen systematisch vernichtet. Wir reden von einer Verknappung der Grundwasserreserven von mehreren Milliarden Kubikmetern. 3000 km², das heißt 10% der Fläche NRW's , sind von Grundwasserabsenkungen betroffen.

Durch die Freisetzung von Sickerwässern mit hohem Salz-, Eisen- und Schwermetallgehalt in den Restsee und in das Grundwasser besteht eine große Gefahr für das Trinkwasser.
In den wieder verfüllten Abbaugebieten tickt zudem eine Zeitbombe für die zukünftige Trinkwasserversorgung. Durch Schwefelverbindungen, insbesondere EisenII-Disulfid (auch Katzengold, Pyrit oder Schwefelkies),  die mit dem wiederansteigenden Grundwasser nach Tagebauende durch den Restsee in das neugebildete Grundwasser gelangen, werden sowohl Restsee als auch Grundwasser versauern.

Aber nicht nur der Wasserhaushalt wird unwiederbringbar zerstört, sondern es findet auch eine gigantische Zerstörung einer der besten und fruchtbarsten Mutterböden der Erde statt. Weit über 270 km² besten Ackerlandes hat RWE bisher für den Tagebau in Anspruch genommen. Land welches sich über Millionen von Jahren entwickeln konnte, wird nun im Anschluß an den Tagebau durch sogenannte " Rekultivierung" künstlich wieder aufgeschüttet. Hiebei wird eine vormals gut 20m dicke Schicht durch eine neue, nur 2m mächtige Lage ersetzt. Es gehen also rund 90% verloren. Über die Qualität eines solchen Kustbodens braucht hier sicher nicht diskutiert werden. Für den Ökolandbau ist dieser gänzlich ungeeignet. Das Ergebnis der Wiederverfüllung ist eine tischebene Agrarsteppe, die weder einen großen landwirtschaftlichen Nutzen noch einen Erholungswert hat.

Karte der Grundwasserabsenkungen im Braunkohlerevier

YouTube: Garzweiler 2 - einer Region wird das Wasser abgegraben

 

 

Abrutschungen

 

Im August 2006 präsentierten RWE und die Landesregierung den Concordia-See bei Nachterstedt den Mitgliedern des Braunkohleausschusses bei der Bezierksregierung Köln als ein besonders gelungenes Beispiel für eine Restseekultivierung.

Wie sehr RWE irren kann wurde der Allgemenheit dann durch das dramatische Unglück von Nachterstedt am 18.Juli 2009 beeindruckend vorgeführt. Eine ehemalige Tagebauböschung stürzte mit über 2 Mio. m³ Erdreich in den darunterliegenden Concordia-See. Drei Menschen kamen dabei ums Leben und eine ganze Siedlung wurde zerstört bzw. unbewohnbar gemacht.

Am 12. März kam es am Tagebau Inden zu einer schweren Hangrutschung. Hier ist glücklicherweise niemandem etwas passiert. Wenn jedoch bei der Rutschung nur ein paar Parameter anders gewesen wären, hätte es hier zu einer ähnlichen Kathasthrophe wie in Nachterstedt kommen können. RWE versuchte die Abrutschung in Inden zu vertuschen.

Unmittelbar nachdem diese stattfand erklärte RWE Power auf einer Veranstaltung, dass eine Katastrophe wie in Nachterstedt im rheinischen Revier nicht möglich sei. Die Wahrheit kam leider erst drei Tage später an die Öffentlichkeit.

Es stellt sich die Frage, ob die in den Braunkohleplänen genemigten Sicherheitsstreifen rund um die Tagebaue ausreichend sind um die Bevölkerung zu schützen. Die Sicherheitsstreifen sind laut Bergamt auf 50% der Grubentiefe, also in linearer Abhängigkeit, ausgelegt. Diese Bemessung missachtet sträflich die unter Fachleuten bekannte Tatsache, dass die Gefahr einer Abrutschung exponentiell mit der Höhe der Böschung zunimmt. Die Gruben im Rheinland sind viel tiefer als die Gruben in Ostdeutschland, Hambach z. B. ist über 400 m tief.

Ebenfalls wird von RWE behauptet,  dass auf Grund völlig anderer geologischer Verhältnisse eine Abrutschung wie in Nachterstedt im rheinischen Revier hier nicht auftreten kann.

Das Gegenteil ist aber der Fall. Durch die erheblich größere Tiefe der Tagebaue, zum Tagebau hin geneigte Gleitschichten, das Vorhandensein von Altbergbau, hochkomplexen tektonischen Störungen und erhöhter Erdbebengefahr kann niemand dieses Risiko wirklich sicher einschätzen.

Es ist völlig unverantwortlich, dass es Dörfer gibt, die nur wenige hundert Meter hinter der Abbaukante und der späteren Böschung des Restsees liegen.

Völliges Neuland ist die Standsicherheit der Böschungen der geplanten Restseen. Weltweit gibt es keine Erfahrungen mit der Flutung von Restlöchern solcher Dimension. Es ist fraglich, ob dies überhaupt verantwortbar ist.

Presseinfo Bündnis90/Grüne: Konsequenzen aus der Katastrophe von Nachterstedt für die rheinischen Braunkohletagebaue

RP Online: Die Angst am Grubenrand

taz: Wenn der Hang abwärts rutscht

Große Anfrage im Landtag NRW: Konseqenzen aus der Katastrophe von Nachterstedt für die rheinischen Braunkohletagebaue

 

Wo RWE voRWEg geht,

 

bleibt nicht mehr viel übrig.

 

 

 

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